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Sprechen ohne Worte: Eine Begegnung mit Menschen, die nicht hören können

Es ist ganz still in der Klasse, als Frau Wiedemann die Kinder begrüßt. Dabei bewegt sie zwar ihre Lippen, aber es ist kein Laut zu hören. Zusätzlich scheinen ihre Hände ständig in Bewegung zu sein. „Frau Wiedemann freut sich, dass sie heute bei euch sein kann!“, erklingt plötzlich eine Stimme aus dem hinteren Teil des Klassenzimmers. Überrascht drehen sich die Kinder zu Frau Röckl, der Gebärdendolmetscherin, um, welche die Worte von Frau Wiedemann gerade in hörbare Sprache übersetzt hat. Frau Wiedemann ist nämlich gehörlos. Im Alter von vier Jahren wurde sie durch eine schwere Krankheit plötzlich taub. Wie sieht der Alltag eines Gehörlosen aus und welche Schwierigkeiten haben Menschen mit dieser Behinderung zu meistern? Mit diesen Fragestellungen wollten sich die beiden Damen zusammen mit den Lehrern und Schülern der Klassen 1 bis 5 der Volksschule Harburg auseinandersetzen.

Das Erlernen der Gebärdensprache muss man sich ungefähr so ähnlich vorstellen wie das Erlernen einer Fremdsprache. Zunächst einmal gibt es für jeden Buchstaben ein eigenes Zeichen wie in einem Alphabet. Gleichzeitig wird aber auch jedem einzelnen Begriff ein eigenes Zeichen zugeordnet. Somit heißt es also auch hier: Üben, üben und nochmals üben! Den Kindern bereitet es große Freude, als ihre Vornamen in Gebärdensprache übersetzt werden. Einige machen sich schon eifrig daran, die Zeichen selbst zu trainieren.

„Wie telefonieren Gehörlose eigentlich?“, will anschließend ein Schüler wissen. „Bei uns zu Hause gehen meine Kinder ans Telefon“, erklärt Frau Wiedemann, „weil sie hören können. Meist bekomme ich eine SMS auf mein Handy. Diese Nachricht kann ich dann lesen.“

Aber wie ist es, wenn ein Gehörloser plötzlich zum Arzt oder auf eine Behörde muss? Gottseidank gibt es in diesem Falle ausgebildete Leute wie Frau Röckl, welche die hörbare Sprache in Gebärdensprache übersetzen kann. Anhand der vielen Fragen, welche die Kinder stellen, ist sehr gut zu erkennen, welch großes Interesse an diesem Thema besteht. Als Dankeschön überreicht die Konrektorin der Schule, Frau Riedelsheimer, zum Abschied den beiden Referentinnen ein kleines Blumengeschenk. Dazu durften sich Frau Wiedemann und Frau Röckl über selbst gefertigte Poster der einzelnen Klassen freuen, auf welchen die Schüler nochmals festgehalten hatten, was sie an diesem Besuch am meisten beeindruckte.

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